Was bereuen Menschen, wenn ihr Leben zu Ende geht? Die Palliativpflegerin Bronnie Ware hielt fest, was Sterbende ihr am häufigsten anvertrauten, und an erster Stelle stand selten der Beruf oder der Besitz, sondern der Wunsch, mutiger gelebt, Gefühle ausgesprochen und Beziehungen gepflegt zu haben. Zugleich zeigt die Forschung, was am Lebensende wirklich zählt: Schmerzfreiheit, innerer Friede und das Gefühl, niemandem zur Last zu fallen.
Kurz zusammengefasst
Die Palliativpflegerin Bronnie Ware hielt fest, was Sterbende am häufigsten bereuen. An erster Stelle stehen selten Beruf oder Besitz, sondern der Wunsch, mutiger und ehrlicher zum eigenen Leben gelebt, Gefühle ausgesprochen und Beziehungen gepflegt zu haben. Die meisten Österreicher möchten zu Hause sterben, tatsächlich sterben aber die meisten im Krankenhaus, rund 17 Prozent im Pflegeheim.
Diese Seite bündelt die wichtigsten Statistiken und Erkenntnisse dazu, was Menschen am Lebensende bereuen und was ihnen wichtig ist: die fünf häufigsten Wünsche Sterbender, die Lücke zwischen dem Wunsch, zu Hause zu sterben, und der Wirklichkeit in Österreich, das Schweigen über den Tod und die Frage, wie geregelte Verhältnisse den Hinterbliebenen eine Last nehmen. Jede Zahl ist mit einer Quelle verlinkt, die Sie am Ende der Seite finden.
- Was Sterbende wirklich bereuen
- Was am Lebensende zählt: die Forschung
- Versöhnung in den letzten Tagen
- Wo Österreicher sterben wollen und wo sie sterben
- Das große Schweigen über den Tod
- Vorsorge als Fürsorge für die Hinterbliebenen
- Was weitere Quellen zum Sterben in Österreich zeigen
- Quellenverzeichnis
Was Sterbende wirklich bereuen
Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware begleitete viele Menschen in ihren letzten Lebenswochen und hielt fest, was diese am Ende am häufigsten bereuten. Ihre Beobachtungen gelten bis heute als die wohl bekannteste Sammlung von Lebensrückblicken am Sterbebett.
1. Die fünf häufigsten Reuegefühle am Lebensende
Bronnie Ware dokumentierte fünf Themen, die in den Gesprächen mit Sterbenden immer wiederkehrten. Sie beschreibt sie qualitativ, nicht in Prozentzahlen: 1. der Mut, ein Leben treu zu sich selbst zu führen, statt jenes, das andere erwarteten; 2. nicht so viel gearbeitet zu haben; 3. der Mut, die eigenen Gefühle auszudrücken; 4. den Kontakt zu Freunden gehalten zu haben; 5. sich erlaubt zu haben, glücklicher zu sein.1
2. Beziehungen wiegen am Ende schwerer als Arbeit
Auffällig an Wares Aufzeichnungen ist, dass keiner ihrer Patienten am Ende mehr Geld oder beruflichen Erfolg vermisste. Im Vordergrund standen ungelebte Authentizität und vernachlässigte Beziehungen, also der Wunsch, Gefühle gezeigt und Freundschaften gepflegt zu haben.2
Was am Lebensende zählt: die Forschung
Neben persönlichen Beobachtungen gibt es belastbare Studien dazu, was Menschen am Lebensende wichtig ist. Eine der meistzitierten stammt aus dem Jahr 2000 und befragte Patienten, Angehörige und Behandelnde zugleich.
3. Freiheit von Schmerzen rangiert ganz oben
Die Studie von Steinhauser und Kollegen identifizierte 26 Aspekte, die über alle Befragtengruppen hinweg als wichtig galten, darunter Schmerz- und Symptomkontrolle, Vorbereitung auf den Tod und ein Gefühl der Vollständigkeit. Unter neun zentralen Merkmalen wurde "Freiheit von Schmerzen" am wichtigsten bewertet, während "zu Hause sterben" am wenigsten wichtig erschien.3
4. Niemandem zur Last fallen und seine Angelegenheiten ordnen
Patienten maßen acht Aspekten deutlich mehr Bedeutung bei als die behandelnden Ärzte, darunter geistige Klarheit, die Planung der eigenen Bestattung, anderen nicht zur Last zu fallen und seinen inneren Frieden zu finden. Geregelte Angelegenheiten und Selbstbestimmung am Lebensende waren den Betroffenen damit oft wichtiger, als die Medizin annahm.4
5. Eine Person benennen, die entscheiden darf
In einer Folgestudie aus dem Jahr 2001 nannten die Befragten klar, was zur Vorbereitung auf das Lebensende gehört: jemanden zu benennen, der im Ernstfall Entscheidungen trifft, zu wissen, was körperlich auf einen zukommt, die finanziellen Angelegenheiten geordnet zu haben und Behandlungswünsche schriftlich festzuhalten. Vorausschauende Regelungen sind demnach kein bürokratischer Akt, sondern Teil eines würdevollen Abschieds.5
Versöhnung in den letzten Tagen
Am Lebensende rücken oft offene Konflikte und das Bedürfnis nach Versöhnung in den Vordergrund. Eine Schweizer Studie hat diese Prozesse bei schwerkranken Menschen genau beobachtet.
6. Bei 62 Prozent gelang ein Versöhnungsprozess
In einer Schweizer Studie mit 50 sterbenden Krebspatienten, die schwere familiäre Konflikte hatten, kam es bei 62 Prozent wiederholt zu Vergebungs- und Versöhnungsprozessen. Viele Betroffene starben kurz danach, 22 von ihnen innerhalb von 48 Stunden, nachdem sie Frieden gefunden hatten.6
Wo Österreicher sterben wollen und wo sie sterben
Die meisten Menschen wünschen sich, in vertrauter Umgebung zu sterben. Die Realität in Österreich sieht jedoch deutlich anders aus, wie die Daten der Statistik Austria zeigen.
7. Über die Hälfte stirbt im Krankenhaus
Nach den von der Statistik Austria erhobenen Zahlen verstarben in Österreich rund 51 Prozent der Menschen in einem Krankenhaus, etwa 27 Prozent zu Hause, knapp 17 Prozent im Pflegeheim und rund 5 Prozent an sonstigen Orten. Das eigene Zuhause ist damit für die wenigsten der tatsächliche Sterbeort.7
8. Der Wunsch nach dem Zuhause bleibt meist unerfüllt
Der Dachverband Hospiz Österreich hält fest, dass viele Menschen in vertrauter Umgebung betreut werden und sterben möchten, dies aber aus verschiedenen Gründen nicht immer möglich ist. Zwischen dem verbreiteten Wunsch, daheim zu sterben, und der überwiegenden Realität von Krankenhaus und Pflegeheim klafft somit eine deutliche Lücke.8
Das große Schweigen über den Tod
Obwohl der Tod jeden betrifft, fällt es vielen Menschen schwer, darüber zu sprechen. Eine aktuelle österreichische Umfrage macht das Ausmaß dieses Schweigens sichtbar.
9. Nur 32 Prozent beschäftigen sich mit dem Lebensende
Laut einer Umfrage des Instituts Ipsos im Auftrag von Helvetia aus dem Jahr 2025 setzen sich lediglich 32 Prozent der Österreicher aktiv mit dem Lebensende auseinander. Mehr als die Hälfte der Befragten spricht höchstens einmal im Jahr über das Thema Tod.9
10. 59 Prozent wünschen sich mehr Offenheit
Trotz der verbreiteten Sprachlosigkeit wünschen sich 59 Prozent der Österreicher mehr Offenheit beim Tabuthema Tod, bei den Frauen sind es sogar 67 Prozent. Der Wunsch, über das Lebensende zu sprechen, ist also größer als die gelebte Praxis.10
11. Je näher der Tod, desto größer das Schweigen
Paradoxerweise sprechen ältere Menschen seltener über den Tod als jüngere. Während über 40 Prozent der 25- bis 34-Jährigen gelegentlich über die eigene Sterblichkeit sprechen, sind es bei den über 66-Jährigen nur 18 Prozent.11
Vorsorge als Fürsorge für die Hinterbliebenen
Wer seine Angelegenheiten zu Lebzeiten regelt, nimmt den Hinterbliebenen eine schwere Last ab. In Österreich tun das jedoch nach wie vor erstaunlich wenige Menschen.
12. 80 Prozent der Österreicher haben kein Testament
Eine von Ipsos im Auftrag von Helvetia durchgeführte Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 80 Prozent der Österreicher kein Testament verfasst haben. Nur 2 von 10 Personen haben ihren letzten Willen schriftlich festgehalten, obwohl 82 Prozent ihr Erbe individuell regeln möchten.12
13. Erbschaften entzweien Familien häufiger, als sie verbinden
36 Prozent der Österreicher haben bereits geerbt, und bei ebenfalls 36 Prozent hat das Thema schon zu Familienstreitigkeiten geführt. 73 Prozent der Befragten finden sogar, dass Erbschaften Familien eher zerreißen als verbinden, und 26 Prozent fürchten, ein Erbe könnte die eigene Familie spalten.13
14. Nur etwa jeder Fünfte hat ein Testament
Eine repräsentative Befragung des Instituts marketagent im Auftrag der Österreichischen Notariatskammer aus dem Jahr 2018 ergab, dass rund 20 Prozent der Österreicher ein Testament verfasst haben. Nur etwa 12 Prozent schätzen ihre Kenntnisse über die Formvorschriften als gut ein, während 62 Prozent angeben, wenig bis keine Ahnung davon zu haben.14
15. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind selten
Dieselbe Befragung der Österreichischen Notariatskammer zeigt, dass nur etwa 8 Prozent der Österreicher eine Patientenverfügung und lediglich rund 4 Prozent eine Vorsorgevollmacht errichtet haben. Damit hat die große Mehrheit für den Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit nichts geregelt.15
16. 42 Prozent erben mehr als 50.000 Euro
Obwohl 42 Prozent der Erben in Österreich mehr als 50.000 Euro erhalten, regeln nur die wenigsten ihren Nachlass vorausschauend. Die Höhe der Vermögenswerte steht damit in deutlichem Gegensatz zur geringen Vorsorgebereitschaft.16
Was weitere Quellen zum Sterben in Österreich zeigen
Über die bereits genannten Erhebungen hinaus liefern eine Studie des Instituts für Höhere Studien, das österreichische Gesundheitsportal sowie zwei repräsentative Umfragen weitere belastbare Zahlen zum Lebensende.
17. Männer sterben häufiger im Krankenhaus, Frauen häufiger im Pflegeheim
Eine Auswertung des Instituts für Höhere Studien (IHS) auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt deutliche Unterschiede beim Sterbeort: Männer starben zu 52,07 Prozent in einer Krankenanstalt und nur zu 11,90 Prozent in einem Heim, während Frauen zu 24,80 Prozent in einem Heim und zu 46,23 Prozent in einer Krankenanstalt verstarben. Von den im Krankenhaus Verstorbenen starben 52,7 Prozent bereits innerhalb der ersten sieben Aufenthaltstage.17
18. 34 spezialisierte Hospiz- und Palliativeinrichtungen für junge Menschen
Laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreich stehen derzeit 34 spezialisierte Hospiz- und Palliativeinrichtungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zur Verfügung. Eine würdevolle Begleitung am Lebensende ist damit auch für die Jüngsten ein eigener, ausgebauter Versorgungsbereich.18
19. 68 Prozent reden heute leichter über den Tod als früher
Für den Österreich Sterbereport 2023 befragte das Institut TripleM im Auftrag der Bestattung Himmelblau 1.500 Personen. Demnach fällt es 68 Prozent der Österreicher heute leichter, in der Familie über den Tod zu sprechen, als das früher der Fall war. 55 Prozent wünschen sich eine Feuerbestattung und 31 Prozent eine Naturbestattung.19
20. 51 Prozent treffen über die finanzielle Absicherung hinaus keine Vorsorge
Eine repräsentative Umfrage des Instituts SKOPOS aus dem Jahr 2024 mit 1.056 Befragten ergab, dass 55 Prozent der Österreicher nur selten an die eigene Sterblichkeit denken und lediglich 33 Prozent ein Testament aufgesetzt haben. 51 Prozent treffen über die finanzielle Absicherung ihrer Angehörigen hinaus keine weiteren Vorkehrungen für das Lebensende.20
Vieles am Lebensende lässt sich nicht mehr ändern. Eine Sache aber schon: ob Sie Ihren Liebsten geordnete Verhältnisse und klare Wünsche hinterlassen oder sie in der Trauer mit offenen Fragen zurücklassen. Wer seine Angelegenheiten regeln möchte, kann unseren Testament-Generator nutzen oder sich in den Beiträgen Testament-Vorlage, Wie viele haben ein Testament? und Digitaler Nachlass einlesen.
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Kuch, M. (2026). Was bereuen Sterbende am meisten? (Statistiken Österreich). Testamenteinfach. https://testamenteinfach.at/blog/was-sterbende-bereuen-statistiken-oesterreich/
Kuch, Max. "Was bereuen Sterbende am meisten? (Statistiken Österreich)" Testamenteinfach, 2026, testamenteinfach.at/blog/was-sterbende-bereuen-statistiken-oesterreich/
Kuch, Max. "Was bereuen Sterbende am meisten? (Statistiken Österreich)" Testamenteinfach, 2026. https://testamenteinfach.at/blog/was-sterbende-bereuen-statistiken-oesterreich/
Häufig gestellte Fragen
Was bereuen Sterbende am häufigsten?
Laut der Palliativpflegerin Bronnie Ware am häufigsten: nicht mutiger sich selbst treu geblieben zu sein, zu viel gearbeitet, Gefühle nicht ausgesprochen, Freundschaften vernachlässigt und sich nicht mehr Freude erlaubt zu haben. Besitz und Karriere spielen kaum eine Rolle.
Wo möchten Menschen in Österreich sterben?
Die meisten wünschen sich, zu Hause im vertrauten Umfeld zu sterben. Tatsächlich sterben die meisten Österreicher jedoch im Krankenhaus, rund 17 Prozent im Pflegeheim. Vorsorge wie eine Patientenverfügung kann helfen, den eigenen Wunsch durchzusetzen.
Quellenverzeichnis
- 1Bronnie Ware (bronnieware.com)
- 2Bronnie Ware (bronnieware.com)
- 3Steinhauser et al., JAMA 2000 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 4Steinhauser et al., JAMA 2000 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 5Steinhauser et al., J Pain Symptom Manage 2001 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 6Renz et al., Am J Hosp Palliat Care 2020 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 7Statistik Austria, via Ärzte Krone (medmedia.at)
- 8Dachverband Hospiz Österreich (hospiz.at)
- 9Ipsos im Auftrag von Helvetia 2025 (5min.at)
- 10Ipsos im Auftrag von Helvetia 2025 (5min.at)
- 11Ipsos im Auftrag von Helvetia 2025 (5min.at)
- 12Ipsos im Auftrag von Helvetia 2025 (helvetia.com)
- 13Ipsos im Auftrag von Helvetia 2025 (helvetia.com)
- 14marketagent im Auftrag der Österreichischen Notariatskammer 2018 (derstandard.at)
- 15marketagent im Auftrag der Österreichischen Notariatskammer 2018 (notariatskammer.at)
- 16Ipsos im Auftrag von Helvetia 2025 (helvetia.com)
- 17Institut für Höhere Studien (IHS) (ihs.ac.at)
- 18Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (gesundheit.gv.at)
- 19TripleM im Auftrag von Bestattung Himmelblau (via Vienna.at) (vienna.at)
- 20SKOPOS im Auftrag von livv.at (livv.at)
Über den Autor
Max Kuch
Max Kuch beschäftigt sich seit Jahren mit Erbrecht, Nachlassplanung und Verbraucherthemen rund um das Vererben. Für Testamenteinfach sichtet und bündelt er Forschung und repräsentative Studien, hier etwa von Bronnie Ware, aus der internationalen Palliativforschung, von Statistik Austria, dem Dachverband Hospiz Österreich und der Österreichischen Notariatskammer, und bereitet sie verständlich auf.